KRANKENHAUS • HALLEIN
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3.Platz

 

Erinnerungen

 

1956 war ich wegen einer Handverletzung 13 Tage im Halleiner Krakenhaus stationiert. Ich will versuchen, wider zu geben, wie es damals war: Im Nachtkästchen lagen eine Stoffserviette und Besteck. Nach jeder Mahlzeit kam eine Stationshilfe in das Zimmer mit einem Wasser befüllten Eimerchen und wusch das Besteck. Das Essgeschirr wurde auf jeder Station in der „Stationsküche“ in einem großen Trog abgewaschen. Patientinnen beteiligten sich gerne beim Abtrocknen.

Die Wäsche wurde in der hauseigenen Waschküche gewaschen, getrocknet, gebügelt und ausgebessert. Mullbinden und Tupfer, das waren viereckige Mullstofffleckchen, brachten Schwestern nach der Besuchszeit in die Zimmer und ersuchten Patientinnen, die gesundheitlich in der Lage waren, diesen riesigen Mullknäuel sorgfältig zu entwirren. Auf der Bettdecke haben wir die Tupfer und Binden glatt gestrichen und auf einen Trockenständer gehängt. Waren diese am nächsten Tag trocken, kamen sie wieder in die Zimmer. Die Tupfer mussten ordnungsgemäß gefaltet und die Binden aufgerollt werden. Danach, so sagten die Schwestern würden sie sterilisiert. Das Aufhängen, Falten und Rollen der Mullsachen war sehr, sehr zeitaufwändig. Wir hatten Spaß daran.

 

Die Besuchszeit war von 14-16h. Diese wurde beinahe ausnahmslos eingehalten. Da nach St. Koloman die Busverbindung miserabel war, besuchten „Taugler“ oft schon vor der Besuchszeit ihre Patienten, weil der Bus nach St. Koloman um 14h am Kornsteinplatz abfuhr. Von den Schwestern waren wir überhaupt nicht gern gesehen. Einmal fuhr mich eine geistliche Schwester an: ( ihren Namen habe ich vergessen) „Enk Taugler könnt ih zwischn de Finger durchepatzn.“ Natürlich lachte sie dazu.

 

1970 lag ich im 1. Stock im Eckzimmer, das bachseitig ein Fenster hatte. Eine junge Mitpatientin war an der Leber erkrankt. Die Ärzte wunderten sich über ihre schlechten Werte, die sich nicht besserten, obwohl sie versicherte, keinen Schluck Alkohol zu trinken.

Ihr Lebensgefährte versorgte sie täglich mit Doppelliter Rotweinflaschen. Etliches Leergut hatte sie im unteren Teil des Nachtkästchens gelagert. Beim Putzen öffnete sich das Türchen und die Flaschen kollerten auf den Fußboden. Die Reinigungsfrau verschwand und kam mit der Stationsschwester wieder. Diese erwischte die Patientin gerade noch, wie sie die letzte Flasche durch das Fenster im Bach entsorgte.

 

Im neuen Krankenhaus lag eine junge Mutter auf der Entbindungsstation. Ihr vierjähriger Sohn besuchte sie mit Papa. Seinen kleinen Bruder beobachtete er durch das Fenster im Säuglingszimmer. Plötzlich rief der Knirps mit lauter Stimme. „Du Mami, zeig mir das Loch in deinem Bauch, wo der Manfred herausgehüpft ist!“ Die vielen Wartenden im Gang vor dem Fenster brachen in helles Gelächter aus.

 

Des Öfteren musste ich im Laufe der Jahre in Eurem Haus aufgenommen werden, jedes Mal wurde ich bestens betreut und konnte geheilt entlassen werden. Ich bin sehr dankbar.

 

 

Einsender:

Maria Lindenthaler
Schornweg 10
5423 St.Koloman